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Unterstützung des Katastrophen- und Krisenmanagements

Notfallsituationen infolge großflächiger natürlicher oder menschengemachter Katastrophen erfordern einen schnellen und gezielten Einsatz von Hilfskräften. Dazu bedarf es unter anderem detaillierter Informationen über den Umfang und die Lage der betroffenen Gebiete und zu Art und Ausmaß der Schäden. Solche Lageinformationen können über den Copernicus Emergency Management Service (EMS) zur Verfügung gestellt werden. Detailinformationen wie mögliche Zugangswege bieten unverzichtbare Unterstützung bei der Entsendung von Hilfskräften in die jeweils betroffenen Regionen und für deren Unterstützung vor Ort.

Neben der Bereitstellung von satellitenbasierten Notfallkarten zur Lagebewältigung werden auch Produkte zur Vorbereitung auf und Nachbereitung von Krisen zur Verfügung gestellt. Dies sind z.B. Referenzkarten, die den Zustand einer Region vor der Katastrophe zeigen, spezielle Situationsanalysen oder detaillierte Schadenskartierungen und Dokumentation der Wiederaufbauarbeiten.
Die Produkte stehen in unterschiedlichen Maßstäben von 1:5.000 bis 1:200.000 zur Verfügung und werden mit optischen Satellitenaufnahmen oder Daten von Radarsatelliten hergestellt. Die Produkte können von allen Ebenen des Krisenmanagements genutzt werden (vom übergeordneten Krisenstab bis zur Einsatzleitung), da ausgewertete Daten in unterschiedlichen Formaten zur Verfügung gestellt werden.

Der Emergency Management Service (EMS) ist seit 2012 in Betrieb. Im April 2015 wurden verschiedenen Portfolio-Verbesserungen etabliert, die zusätzlich auch eine Pilotaktivität zur Bewertung eines Einsatzes unbemannter Flugsysteme umfasst. Vor 2012 gab es verschiedene Vorläufer-Aktivitäten, insbesondere das SAFER-Projekt im 7. Forschungsrahmenprogramm der EU (FP7).

Die EU Mitgliedsstaaten können auf den Dienst über so genannte "National Focal Points" zugreifen. Nationaler Kontaktpunkt für Deutschland und autorisierte Stelle, um den Dienst zu nutzen, ist das Gemeinsame Melde- und Lagezentrum von Bund und Ländern (GMLZ) im Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK).

Das Internet-Portal zum Dienst befindet sich hier: Copernicus Emergency Management Service, dazu ein ausführlicher "Copernicus EMS User Guide

Portfolio

Der Notfall-Dienst bietet eine große Bandbreite an Produkten für alle Phasen des Krisenmanagement-Zyklus an. Im Bereich Prävention werden zum einen topographische Basisinformationen (geographische Referenzkarten), zum anderen darüber hinausgehende Analysen und Informationen z.B. zu bestehenden Katastrophenrisiken oder zu Evakuierungsplanungen zur Verfügung gestellt.

Für die Krisenbewältigung werden Informationen zur Ausdehnung des Ereignisses und zur Schadensfeststellung innerhalb von 20 bis 30 Stunden nach Anforderung geliefert. Bei entsprechender Vorwarnzeit – z.B. bei vorhersehbaren Hochwasserspitzen - kann sich die Lieferzeit weiter verkürzen, da dann die verfügbaren Satelliten bereits frühzeitig auf das erwartete Katastrophengebiet ausgerichtet werden können. Durch den Vergleich von aktuellen Satellitenaufnahmen mit Archivdaten können detaillierte Erkenntnisse zu aufgetretenen Schäden (zerstörte Häuser, Infrastruktur aber auch Landnutzung) gewonnen werden. Darüber hinaus kann durch wiederholte Auswertungen (z.B. alle zwei Tage) die Entwicklung einer Situation beobachtet und quantifiziert werden.
Neben der Informationsbereitstellung zur unmittelbaren Krisenbewältigung stehen auch Produkte für lang anhaltende humanitäre Krisen zur Verfügung wie z.B. Kartierung und Monitoring von Flüchtlingscamps.

Europäische Frühwarndienste
Die Copernicus-Katastrophendienste umfassen auch ein System zur Beobachtung der europäischen Flüsse mit dem Ziel der frühzeitigen Warnung vor drohenden Hochwassersituationen. Das European Flood Awareness System (EFAS) wurde im Jahr 2012 in Betrieb genommen und unterstützt die Behörden in den EU-Mitgliedstaaten mit Prognosen der Hochwasserwahrscheinlichkeit, die bis zu 10 Tage im Voraus verfügbar gemacht werden.
Ein entsprechender Dienst zur Überwachung von und frühzeitigen Warnung vor möglichen Waldbränden in Europa und rund um das Mittelmeer befindet sich derzeit in der Entwicklung: das European Forest Fire Information System (EFFIS).
 

Zum Beispiel...

Obwohl seinerzeit noch nicht im voll operablen Modus erfolgte bereits der erste Einsatz von Sentinel-1A bei der Hochwasserkartierung in Bosnien und Herzegowina im Rahmen des „Copernicus Emergency Management Services“ im Mai 2014.

Starke Regenfälle führten zu Überflutungen in den Regionen Doboj und Zenica. Die dargestellte Hochwasserkarte zeigt die Region Balatun. Als Hintergrund wurden Daten des französischen SPOT 6 Satelliten verwendet, die Kartierung der Wasserflächen erfolgte auf Basis von Sentinel-1A ScanSAR Daten aufgenommen am 24.05.2014.

Nationale Projekte

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR) engagiert sich in der International Charter Space and Major Disasters, einem internationalen Verbund von Raumfahrtagenturen, der Satellitenbilder für die Notfallhilfe nach Großkatastrophen zur Verfügung stellen. In einigen Fällen arbeiten der Copernicus-Dienst und die Charter auch zusammen, um der betroffenen Bevölkerung bestmöglich zu helfen.

Seit Januar 2013 können Behörden im Geschäftsbereich des Bundesministerium des Innern auch den Dienst des DLR Zentrums für satellitengestützte Kriseninformation (ZKI) anfordern. Diese ergänzen die Leistungen des Copernicus Dienstes nach Bedarf.
 

Fachkoordinator für diesen Dienst


Dr. Michael Judex
Bundesamt für Bevölkerungsschutz
und Katastrophenhilfe
0228 / 99-550-2502
michael [dot] judex [at] bbk [dot] bund [dot] de