Afrikanische Schweinepest - mit Satellitendaten Bewegungsmuster abschätzen

Afrikanische Schweinepest - mit Satellitendaten Bewegungsmuster abschätzen

Um die näher rückende Afrikanische Schweinepest einzudämmen, muss ihr Hauptüberträger, das Wildschwein, genau verfolgt werden. Bislang war es jedoch unmöglich, flächendeckend Bewegungsdaten von Wildschweinen zu erzeugen. Mit der automatischen Verknüpfung von Satellitendaten, Verkehrszählungen und In-situ-Daten von Jägern und Veterinärämtern kann man jetzt die Habitate von Wildschweinen voraussagen und ihre Bewegungsmuster abschätzen.

Mit 26 Millionen Schweinen ist Deutschland – nach China und den USA – der weltweit drittgrößte Schweinefleischerzeuger und die Nummer eins beim Export. Jedes dritte deutsche Hausschwein steht in Niedersachsen.
Tierseuchen im Stall sind hier ein besonders ernstes Thema. Als etwa in den 90er Jahren die klassische Schweinepest grassierte, wurden zwei Millionen Schweine getötet. Und nun kommt eine Tierkrankheit näher, die hierzulande ganz neu ist: Die Afrikanische Schweinepest hat sich über Osteuropa nach Westen ausgedehnt – in der Lausitz stand sie im Januar 2020 nur noch zehn Kilometer vor unserer Landesgrenze.
Eingeschleppt wird die Seuche unter anderem von Wildschweinen. Deshalb wirft das Friedrich-Loeffler-Institut ein scharfes Auge auf sie. Doch das ist gar nicht so einfach – man weiß nicht einmal, wie viele Wildschweine es gibt und wo sie sich gerade herumtummeln. Deshalb sollen jetzt Satellitendaten des Europäischen Copernicus-Programms helfen, die Ausbreitung der Seuche präzise vorauszusagen.
Wo bislang nur Archivdaten vorlagen, liefern die Sentinel-2 Satelliten fast tagesaktuelle Karten über die reifende Vegetation, über Feldfrüchte und die Landschaft. Wo alles passt, fühlt sich auch das Wildschwein wohl: Reifer Raps und Weizen, ein Tümpel oder Uferschilf zum Suhlen, ein Buchenwald oder halbhohes Maisfeld als Versteck sind ein Paradies für die Schwarzkittel – und damit ein Hochrisikogebiet für die Seuche.
Manchmal geht es auch über die Autobahn. Mit jedem achtlos weggeworfenen Wurstbrötchen kann die Seuche große Distanzen überbrücken – denn die Erreger verbleiben in der Wurst, und ein  kerngesundes Wildschwein kann sich am Rastplatz damit infizieren. Deshalb werden auch aktuelle Verkehrszählungen einbezogen – die Bewegungsraster von Mensch und Tier zusammen ergeben das aktuelle Gefahrenpotential. Mit digitalen Geländekarten und weiteren Daten von Jägern und Ämtern entstehen immer genauere Risikomodelle.
Das Friedrich-Loeffler-Institut für Epidemiologie gibt am Ende Risikokarten für die Veterinärämter der Landkreise heraus. Diese können die Gefahr einer aufziehenden Schweinepest vor Ort bis auf drei Kilometer Genauigkeit eingrenzen – und deutlich früher als bislang eindämmen.