COKAP - Klimabewertung in der Stadt

COKAP - Klimabewertung in der Stadt

Extrem heiße Tage mit Lufttemperaturwerten von über 40°C werden in Deutschland häufiger. Dabei bilden sich in den Innenstädten Wärmeinseln mit Oberflächentemperaturen von bis zu 60°C - für viele Menschen ist das eine reale Gefahr. Diese Hotspots kann man mit Satellitendaten des Europäischen Copernicus-Programms detektieren: Satellitendaten zur Vegetation, Versiegelungsgrad und Einwohnerzahlen aus dem Archiv machen sichtbar, wo die Menschen am stärksten betroffen sind. Hier kann die Verwaltung präzise ansetzen und Gegenmaßnahmen planen, etwa in Form von Begrünung oder dem offen Halten von Frischluftschneisen.

Wer heute über die Sommerhitze klagt, hat sich nicht getäuscht: Gab es in den 1960er Jahren im Durchschnitt drei Tage mit mehr als 30°C, so zählen wir heute im Mittel elf solcher ‚Heißen Tage‘– im Jahr 2018 waren es sogar zwanzig. Von den zwölf wärmsten Jahren in Deutschland seit 1881 waren zehn nach der letzten Jahrtausendwende – ebenso die Top-Five der Temperaturrekorde, allesamt über 40 Grad.
Besonders in den Innenstädten staut sich im Sommer die Wärme: Marktplätze, dichte Bebauung ohne Grün, Parkplätze, Klimageräte und Industrieanlagen heizen die City bedrohlich auf. Mancherorts steigt die Oberflächentemperatur auf bis zu 60 Grad – für alte Menschen und Kinder eine reale Gefahr.

Um Stadtplaner mit soliden Zahlen über die Aufheizung zu versorgen, nutzt das Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz nun Satellitendaten des Europäischen Copernicus Programms. Sentinel-3 liefert die Oberflächentemperatur flächendeckend – bei täglich bis zu vier Überflügen kann man den Temperaturzustand in hoher Auflösung erkennen und automatisch auswerten. Besonders heiße Gebiete der Stadtfläche werden als Wärmeinseln definiert und mit NDVI-Vegetationsdaten von Sentinel-2 kombiniert, um den Stand der Begrünung und der Versiegelung des Bodens gegenzurechnen – denn auf Asphalt und ohne Stadtgrün entsteht mehr Hitze. Dazu kommen Zahlen zur Wohnbevölkerung, um die Betroffenheit der Menschen gegenüber der Hitzebelastung abzubilden.

In Kenntnis dieser Hitzespots können die Städte Anpassungen vornehmen, etwa Dächer und Fassaden gezielt begrünen oder Bäume an der richtigen Stelle pflanzen. Andernorts können sie Kaltluftschneisen erkennen, die für die Belüftung und nächtliche Abkühlung der Innenstädte wichtig sind. Oder sie können Freizeitflächen schützen, die man braucht, um sich in der sommerlichen Stadt zu erholen.
Einige Kommunen planen mit den Daten jetzt schon die langfristige Klimaanpassung – etwa die Stadt Gera, die im Jahr 1994 den deutschlandweiten Hitzerekord brach. Das waren damals 39,6°C. Inzwischen ist dieser Rekord auf den siebten Platz abgerutscht.